3. Corno da caccia = Corno da tirarsi

An der Diskussion, welche barocken Werke von Hornisten, welche von Trompetern aufgeführt werden sollen oder können, möchte ich mich nicht beteiligen, sondern beide Seiten dazu aufrufen, die barocke Klangwelt zu verwirklichen. Es gibt kein Barockhorn schlechthin, auf dem man alle barocken Hornstimmen authentisch wiedergeben kann. Vielmehr gab es damals eine breite Palette von Instrumententypen, die einen interessanten, nahtlosen Übergang von der Trompete zum Jagdhorn mit großem Schallbecher boten. Bitte lesen Sie dazu die Aufstellung, welche Bach-Stimmen wohl auf welchem Barockhorn gespielt werden sollen, im Einführungs-Kapitel "Naturhorn"!

Meine "Corno da caccia"-Version deckt die hellere Seite der Klangpalette ab.

tirarsi

"Corno da caccia", "Corno da tirarsi" Engelbert Schmid

Original Instrument, ca. 1730, Friedrich Ehe

Original Instrument, ca. 1730, Friedrich Ehe in Nürnberg, in Hoch D, mit C-Bogen und 2 Stimmstiften, aus dem Museum Carolino Augusteum, Salzburg

Beschreibung meiner "Corno da caccia", gleichzeitig "Corno da tirarsi" Version:

  • Verwendung: Stimmen für "Corno da caccia", "Corno da tirarsi", "Lituus”
  • Stimmungen: Von Hoch D bis Tief C (bei A=415Hz), Aufsteckbögen.
  • Mundstückaufnahme: Normalerweise für Hornmundstückschaft. Die Anpassung des Schaftes eines Trompetenmundstückes ist akustisch kein Problem. Mit einem konischen Mundrohr, das sich auf eine Hornmundstückaufnahme verjüngt, stimmt das Instrument in allen Lagen und Stimmungen sehr gut. Die Kesseltiefe muß der Stimmung angepaßt werden, d.h. je kürzer das Instrument, desto flacher der Kessel. Der historische Normalfall war ein Trompetenmundstück.
  • Schallstück: Grundsätzlich handgehämmert, mit Kranz, dünnwandig, Schallstückdurchmesser 18,0 cm.
  • Historisches Vorbild: Nach Friedrich Ehe in Nürnberg, ca. 1730, Museum Carolino Augusteum, Salzburg.
  • Mensur: Zylindrischer Mensurteil wie beim Original 10,6mm
  • Intonation: Schallstück- und Mundrohrverlauf sind durch Computerberechnungen zur besseren Intonation verfeinert worden.
  • Stimmzug in der Mitte: Ein vordergründiger Diskussionspunkt. Es sprechen aber klare logische Argumente für diesen doppelten Stimmzug.
  1. Es gab im Barock schon doppelte Züge bei den Trombonen.
  2. Bei der "Tromba da tirarsi" und beim "Corno da tirarsi" gab es ein ziehbares Mundrohr, d.h. das Mundrohr wurde mit der einen Hand festgehalten, mit der anderen das ganze restliche Instrument bewegt, um einige Naturtöne ins Reine zu bringen und Zwischentöne zu erreichen. Diese Ziehpraxis war jedoch ergonomisch denkbar schlecht.
  3. Der in der Barockzeit übliche feststellbare Stimmzug am Mundrohr bzw. zwischen Aufsteckbogen und Corpus hat auch ergonomische Nachteile, da dadurch die Entfernung vom Mundstück zum Corpus stark variiert.
  4. Ich nehme an, daß damals lediglich niemand die Idee hatte, einen doppelten Stimmzug in die Mitte der Schallstückwindung zu setzen, und daß diese Idee damals dankbar aufgenommen worden wäre, - wie geschehen einige Jahrzehnte später. Akustisch und klanglich bleibt es trotzdem ein "Corno da caccia". Bei Verwendung eines Posaunengleitfettes kann man diesen Stimmzug leicht ziehen und somit die Intonation der sogenannten unreinen Naturtöne sowie der verlangten Zwischentöne problemlos meistern. Der Zug ist zweimal 17,5 cm lang, man hat also einen Ziehbereich von 30cm. Grifflöcher oder eine Hand im Schallstück gibt es hier nicht.
  • Gewicht: 700g mit F-Bogen.

Auch ohne Hand im Schallstück hat das

Auch ohne Hand im Schallstück hat mein "Corno da caccia" eine sehr klar ansprechende Höhe.

4. Barock-Corno

Neben dem helleren "Corno da caccia" und "Corno da tirarsi" gab es in der Barockzeit noch mehrere dunklere Versionen, nämlich das "Corno", das "Corne du chasse" und das "Corne parforce", mit Schallstückdurchmessern von bis zu 30cm. Sie hatten entweder feste, enge Mundrohre oder aber Aufsteckbögen, die allerdings zu weit gebaut wurden, um gut zu stimmen.
Mein Barock-"Como" deckt den dunkleren Bereich der Barockhörner ab. Auch einige "Corno da caccia" Stimmen waren eventuell für Jagdhörner mit engem Mundrohr gedacht. So spricht z.B. das Original F. Ehe "Corno da caccia" miserabel an, und stimmt schlecht, wenn man es bis F zylindrisch verlängert, was bei einem Trompetenmundstückschaft zwingend ist. Mit engem, konischen Mundrohr jedoch haben meine beiden Barockhorn Versionen sehr gute akustische Eigenschaften, auch in den tieferen Stimmungen. Viele sind der Meinung, J.S. Bachs Brandenburgisches Konzert Nr. l müsse auf einem Instrument wie mein Barock-"Corno" geblasen werden.

Barock “Corno”, Engelbert Schmid

"Barock Corno”, Engelbert Schmid

Beschreibung meiner Barock "Corno" Version:

  • Verwendung: Stimmen für "Corno", "Corne du Chasse", "Corne parforce", auch einige "Corno da caccia"-Stimmen.
  • Stimmung: Hoch D bis Tief C (bei A=415), gleiche Aufsteckbögen wie beim "Corno da caccia".
  • Mundstück: Halbflaches bis flaches Hornmundstück empfohlen. Kesseltiefe soll der Instrumentenlänge angepaßt werden.
  • Schallstück: Grundsätzlich handgehämmert mit Kranz, dünnwandig, Schallstückdurchmesser 25cm.
  • Historisches Vorbild: Synthese aus J.Fr. Schwabe in Leipzig, J.H. Eichentopf in Leipzig und J. Leichamschneider in Wien, zylindrischer Mensurteil 10,6mm.
  • Stimmzug in der Mitte: Hierfür gelten dieselben Argumente wie beim "Corno da caccia", Zug jedoch normal zähgängig. Wir bieten aber auch eine Barock Corno Version ohne Stimmzug an, siehe Modell weiter unten!
  • Intonation: Der gesamte Mensurverlauf ist durch Computerberechnungen zur besseren Intonation verfeinert worden.
  • Intonationsausgleich: Keine Grifflöcher, da sie eine sehr fragliche Lösung sind. Erstens nicht historisch, zweitens müßten sie für jeden Aufsteckbogen (von Hoch D bis Tief C !) eine andere Position haben. Auch genügt es nicht, nur die beiden Töne f und a" zu korrigieren. Es kommen in den Barockstimmen auch Zwischentöne vor. Die Hand im Becher hilft für klare Ansprache und Tonvolumen in der Höhe enorm. Wenn man sie vorsichtig einsetzt und mit der Lippentreibtechnik kombiniert, ist die Tonqualität sehr ausgewogen und die Intonation einwandfrei.
  • Gewicht: 850g mit F-Bogen.
Resonanzkurve Barock - "Corno" ohne Hand

Resonanzkurve Barock

Die Becherschweifung eines hornartigen Schallstückes ist zu weich, um die Höhe ohne Hand klar ansprechen zu lassen.

Resonanzkurve Barock - "Corno" mit Hand

Resonanzkurve Barock

Mit Hand im Schallbecher spricht die hohe Lage ganz klar an.

 

5. Barock-Corno mit Stimmstiften

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"Barock Corno" ohne Stimmzug

Aus optischen Gründen bieten wir auch eine Barock Corno Version ohne Stimmzug an, gleiche Mensur, gleiche Aufsteckbögen. Die Intonation wird mit 4 verschieden langen Zwischenhülsen angepasst. Die Entfernung des Instrument zu den Lippen des Bläsers ändert sich dadurch, was ergonomisch nicht ideal ist, - aber es sieht historischer aus.

 

barock-corno-von-hinten

Die auf der Rückseite versteckte Wasserklappe hat noch einen 2. Sinn: Sie ist eine C3-Klappe! Das "Hohe C" kommt absolut sicher mit geöffneter Klappe. Das Foto zeigt die "Hohe C-Klappe" für das Instrument mit dem F-Bogen. Mit einer 2. Wasserklappe kann man auch das hohe C der D-Stimmung "fixieren". Übrigens kommt mit dieser geöffneten Wasserklappe auch ein korrigiertes F2 heraus! Natürlich kann der Kunde das Instrument auch ohne diese C-Klappe bekommen.

6. Corno da Caccia - Gottfried Reiche

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"Corno da caccia", "Corno da tirarsi", "Tromba da tirarsi" nach dem Portrait von Gottfried Reiche

Optisch ein sehr schönes Instrument, dem berühmten Portrait von Gottfried Reiche nachempfunden. Die Zwischentöne werden durch das Bewegen des ganzen Instrumentes möglich. Der einfache Stimmzug am Anfang des Hornes verlangt den Schaft eines Trompetenmundstückes. Mit einer Hand hält man die Mundstückaufnahme mit dem Innenzug, mit der anderen Hand bewegt man das Horn.